CASSANDRA WILSON „Coming Forth By Day“ (Sony)

Schaurig-schön. Vielleicht eine Spur zu schön. Cassandra Wilson gibt Billie Holiday. Von Statur und Stimme eine sinnvolle Nummer für Frau Wilson, außerdem natürlich passend zum Geburtstag, der die Geschichte der Lady Day einmal mehr durch die Welt tragen durfte. „Coming Forth By Day“ reiht die Klassiker-Perlen in lockerer Folge auf – „I Can´t Explain“, „You Go To My Head“, „Strange Fruit“, wir kennen die Tonfolgen, die Melancholie und das Drama, Geschichten zwischen Leid und Lust, oft am Abgrund, aber immer mit Mut, Stolz und Standhaftigkeit. Die Wilson gibt der Holiday in allen Belangen recht – folgt ihrer Spur und trägt uns deren Werte in die Jetztzeit. Anders als der José James, der ein zurückhaltend-elegantes Jazz-Trio Ambiente für seine Geburtstags-Aufwartungen wählte, begibt sich die Cassandra in die Nähe rock-musikalisch erfahrener Dunkelmänner. Nick Cave stellte ihr aus seinen Bad Seeds das Rhythmus-Team zu Verfügung und Produzent Nick Launey war auch schon für Cave (aber auch für Arcade Fire und die Yeah Yeah Yeahs) tätig. Dazu wohlsortierte Musiker um Gitarrist T-Bone Burnett und mit Van Dyke Parks einen weitgereisten Arrangeur für die gern eingesetzten Streicher. Kein Jazz? Eher eine postmoderne Blues-Variation. Immer in Breitwand-Cinemascope. Übergeordnetes Sound-Theater ab 18. Atmosphäre in Edel-Bitter.

Wertung: 8/10
Info: www.cassandrawilson.com
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